Dienstag, 8. August 2006

This Floating World

Es begann mit elektrisierten 3 Minuten und 39 Sekunden, die ich im Jahre 2000 irgendwann nachts vor dem Radio verbrachte, während ich etwas über Loriot schrieb. „Made Us, Make Us“ kam da aus dem Lautsprecher, und der Song drang mir bis ins Mark. Die Band hieß Justin Lewis Orchestra, und am nächsten Tag hielt ich deren Single in der Hand, ein genialisches Meisterwerk. Auf das angekündigte Album wartete ich jahrelang vergebens.
This Floating World. Ich klickte mich durch bis zu ihrer Homepage, von der man zwei wunderbare Songs herunterladen konnte. Und meine Tage waren gerettet: Es gab eine Band, die da weitermachte, wo das JLO aufgehört hatte. Und das machte sie gut. Ich spielte diese beiden Songs Tag und Nacht. Aber natürlich reichte das nicht. Ich wollte mehr. Ich wollte viel mehr. Und ich bekam es. Bekam es sogar von der Band selbst. Es war, als wenn ein Junkie das langersehnte Heroin bekommt, als ich ein ganzes Album mit Songs von This Floating World bekam. Es war eine Demo-CD, aber wie wunderbar waren diese 9 Stücke darauf. Eine seltsame Magie liegt in ihnen verborgen. Ein bisschen verträumt und sehr poetisch wirken sie so, als seien sie nicht von dieser Welt. Zuweilen geraten sie in die Nähe jener Bombastrock-Songs, die Bands wie Yes in den Siebzigern gemacht haben, aber letzten Endes kriegen sie immer wieder die Kurve zum Großen, zum Geheimnisvollen.
Jetzt war ich endgültig abhängig von der Musik von This Floating World, aber leider suchte man in den Läden noch immer umsonst nach CDs dieser grandiosen Band aus Sheffield. Welche Plattenfirma lässt sich so etwas entgehen, fragte ich mich. Und dann bekam ich per E-Mail eines Tages ein Stück, dass alles andere von This Floating World bislang in den Schatten stellte. „Ghosts“ hieß das musikalische Kleinod, ohne das ich fortan nicht mehr aus dem Haus ging. Gebannt auf meinen mp3-Player, hatte ich „Ghosts“ immer dabei. Und dann ... wurde es still um TFW. Die ohnehin nicht sehr informative Homepage verzichtete auch auf die letzten Fakten, Blicke in den Veranstaltungskalender blieben ebenso ergebnislos wie wiederholte Recherchen im Internet. Schon glaubte ich, wieder habe eine großartige, hoffnungsvolle Band sich aufgelöst.
Aber dann kam ich diesen Sommer aus dem Urlaub zurück und fand eine neue Demo-CD mit Stücken von This Floating World. This Floating World lebt! 6 Stücke befinden sich auf Beautiful Loser, und obwohl die Musik der Band inzwischen etwas anders klingt, nicht zuletzt, weil es Umbesetzungen gab, hat sie von der ursprünglichen Magie nichts verloren. Der Sound ist nun trockener, die Bläser stehen weiter im Vordergrund, der Wegfall des Cellos ändert ein wenig die Richtung. Aber was bleibt, sind wunderbare Songs, gesungen von wunderbaren Stimmen und auf eine Art und Weise gespielt, die nie lässig ist oder cool – sondern immer engagiert, wach und bereit, das Beste zu geben.

Keine Kommentare: